Brahms Requiem

Am Wochenende des 15. und 16. Novembers führten Orchester und Chor des Hermann-Ober-Ensembles unter der Leitung von Volker Hedtfeld „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms auf, zunächst in der Evangelischen Klosterkirche St. Marien in Doberlug, am darauffolgenden Tag in der St.-Jacobi-Kirche in Berlin.

Als Solist trat Johannes Held (Bariton) auf. Die vorgesehene Sopranistin Christina Bischoff war erkrankt und wurde durch Sängerinnen aus dem Ensemble vertreten: am Samstag durch Friederike Hoffmann, am Sonntag durch Julia Hedtfeld.

Bereits am Freitagabend trafen sich Chor, Orchester und Solisten in der St.-Jacobi-Kirche Berlin zur Generalprobe. Insgesamt musizierten im Chor und Orchester rund 120 Personen. Zu den beiden Konzerten kamen etwa 600 Zuhörer*innen.

Die Klosterkirche Doberlug wurde 1228 eingeweiht und ist das älteste erhaltene Gotteshaus des Zisterzienserordens im Osten Deutschlands. Heute wird sie von den Klosterkirchengemeinden Doberlug der Evangelischen Kirche genutzt. Die St.-Jacobi-Kirche wurde 1844/45 im Stil einer altchristlichen Basilika errichtet. Sie gehört, neben der Melanchthonkirche und der Simeonkirche, zu den evangelischen Kirchengemeinden in Kreuzberg-Mitte und wird zudem als Pilgerzentrum genutzt.

„Ein deutsches Requiem“ nimmt unter den geistlichen Kompositionen eine einzigartige Stellung ein. Anders als die traditionellen lateinischen Totenmessen richtet sich Brahms’ Requiem nicht in erster Linie an die Verstorbenen, sondern an die Hinterbliebenen. Im Mittelpunkt stehen Trost, Hoffnung und Zuversicht, die aus der Nähe Gottes erwachsen.
In der Konzerteinführung erläuterte Daniel Posdziech, Mitarbeiter der Kirchenmusikabteilung der Gebietskirche, dass sich bereits Sir Simon Rattle gefragt habe, wie es möglich sei, dass ein 30-jähriger Mann, der als protestantisch erzogener Freigeist ohne kirchliche Bindung galt, ein Requiem komponierte. Zwei Todesfälle gaben Brahms den entscheidenden Anstoß: der Tod seiner Mutter, zu der er eine enge Bindung hatte, sowie der Tod Robert Schumanns, seines Entdeckers, Förderers und engen Freundes.

Im ersten Satz verwebt Brahms Chor und Orchester, wobei die ersten Geigen vorerst noch schweigen. So entstehen zwei Klangwelten: die irdisch-tiefe und die himmlisch-hohe.
Der zweite Satz beginnt in einer dunklen Chorfarbe und mit einem orchestralen Trauermarsch. Mit Ausnahme des Soprans singen im zweiten Satz singen alle Stimmen schlicht, dunkel und unisono. Auf diese Tiefe folgt ein Duett der Frauenstimmen. Im weiteren Verlauf schwingen Chor und Orchester gemeinsam, gefolgt von einem zweiten Thema voller süßer, zuversichtlicher Musik. Der Trauermarsch kehrt wieder und geht schließlich in ein Thema agiler Bewegung über, das den Schwerpunkt des Marsches überwindet.
Im dritten Satz antwortet der Chor beinahe geisterhaft auf die Rufe des Solisten. Aufgelöst wird diese Spannung in einer Orgelpunktfuge zum Bibelwort aus der Weisheit Salomos (3,1):
„Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand, und keine Qual rühret sie an.“
Das Leben bei Gott in vollkommener Schönheit und Vielfalt wird im vierten Satz zum Ausdruck gebracht. Brahms schreibt hier, von strebender Harmonik geprägte Motive, sowie eine circulatio, die den Kreis, und damit das Ewige, symbolisiert.
Der fünfte Satz konzentriert sich auf den mütterlichen Trost. Er wird vom Orchester und der Sopranistin getragen, auf die der Chor antwortet.
Der „Dies irae“-Text - ein traditionelles Motiv der katholischen Totenliturgie - greift Brahms im sechsten Satz auf: in denen Tag des Zorns, Kampf und Endzeit beschworen werden. Die Textgrundlage stammt jedoch wiederum aus den Paulusbriefen. Dort wird aus der apokalyptischen Bedrohung der Sieg des Lebens über den Tod, der in einen Christushymnus mündet. Die von Brahms komponierte Fuge versinnbildlicht mit ihrer formalen Makellosigkeit die Überwindung des Todes.
Im siebten Satz singt der Chor eine beinahe hymnische Seligpreisung der Toten: „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an.“. Das Auftreten und die Durchmischung triolischer Rhythmen, die „drei in eins“ zählen, steigern den klanglichen Eindruck von Erlösung und verweisen zugleich auf die göttliche Präsenz.
Ausblick

Im Jahr 2026 veranstalten Orchester und Chor des Hermann-Ober-Ensembles am 31. Mai ein Konzert zu Ehren von Paul Gerhardt.

Der Hermann-Ober-Chor musiziert am 29. August gemeinsam mit dem Kammerchor Wilhelmshaven und dem Kammerchor Magdeburg in der Gemeinde Berlin-Prenzlauer Berg sowie in der Zionskirche.

Das Hermann-Ober-Orchester führt am 15. November Tschaikowskis Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64 auf.

Am 19. und 20. Dezember gestalten alle Beteiligten des Hermann-Ober-Ensembles ein Weihnachtskonzert anlässlich des Besuchs des Stammapostels.