Schulchordirigenten und Komponisten

Das Programm des Jubiläumskonzertes besteht aus 20 Titeln, die vorgetragen werden. Die Lieder wurden von 15 verschiedenen Komponisten geschrieben, 7 davon waren neuapostolischen Glaubens. Zuletzt bleiben 3 Komponisten, die auch den Schulchor dirigierten: Max Hölting, Dieter Bock und Günter Brücher. Das Leben und wirken dieser drei soll an dieser Stelle etwas genauer beleuchtet werden. Am Ende werden aber auch drei genannt, die die Musikarbeit in Berlin mitgeprägt haben.

Max Hölting (5.12.1874 - 28.06.1950)
geboren in Görlitz, entdeckte sein Vater frühzeitig die musikalische Begabung seines Sohnes. Er durfte sich deshalb voll dem Musikstudium widmen, das insbesondere in der Kompositions- und Kontrapunktlehre sowie im Klavier-, Orgel- und Violinspiel bestand. Als Hauptkompositionsfach wählte er die Chormusik. Im Jahre 1900 lernte Max Hölting die neuapostolische Kirche kennen, der er sich vorbehaltlos anschloss. Sein Glaube und Gottvertrauen wurden aber bald auf eine harte Probe gestellt. Ein tragisches Geschick bewirkte im Jahr 1904 seine nach und nach einsetzende Erblindung. Bis zu seiner Berufung zum Hauptdirigenten der Berliner Chöre (1. Schulchordirigent!) diente Max Hölting als Organist und Dirigent von gemischten und Instrumentalchören in verschiedenen Gemeinden. Er schuf viele Liedkompositionen, die den neuapostolischen Liederschatz vermehrten. Erwähnt sei noch, dass Max Hölting von 1916 bis 1928 Dirigent des gemischten Chores des Moon'schen Blinden-Vereins war, mit dem er in öffentlichen Konzerten in der Hochschule für Musik in Berlin und in verschiedenen größeren Städten Deutschlands erfolgreich auftrat. Er unterhielt einen "Selbst-Verlag" in Berlin SO 36 im Zeitraum von 1927 bis etwa 1938. Max Hölting wurde am 21. März 1949, dem Tag des 25-jährigen Bestehens des Berliner Schulchores, im Alter von 74 Jahren zur Ruhe gesetzt.

Dieter Bock (29.03.1934 - 2004)
Im Januar 1967 übertrug ihm Bezirksapostel Schmidt die Leitung des Schulchores. Er gründete im Herbst 1968 den zweiten Berliner Mädchenchor. Viele Lieder für diesen Chor hat er neu bearbeitet und einige selbst komponiert sowie auch Texte geschrieben. Darüber hinaus hat er zu vielen Anlässen spezielle Lieder geschaffen. Im September 1994 gab er aus gesundheitlichen Gründen die Leitung des Mädchenchores an seine beiden Vertreter ab. Im Schulchorsingen in der Gemeinde Berlin-Nordwest wurde Dieter Bock am Tag seines 65. Geburtstages auf eigenen Wunsch durch Bezirksapostel Schröder von seinen Aufgaben als Schulchordirigent entlastet.

Günter Brücher (06.03.1930 - 11.03.2009)
Von 1952 bis 1957 war er Mitglied der Notenkommission. Im September 1955 wurde er als Vertreter des Jugendschulchordirigenten berufen. Stellvertreter der Schulchordirigenten war er ab September 1961. Am 8. Mai 1981 übernahm er die Leitung des Schulchores (Berlin-West). Seit der Wiedervereinigung beider Schulchöre am 20. Januar 1992 ist er als Vertreter des Schulchordirigenten tätig gewesen. Im Jahr 2003 wurden er und Schulchordirigent Bodo Behnke in den Ruhestand versetzt. Zuletzt war er als Ruheständler noch einige Male öffentlich in Erscheinung getreten, unter anderem als Moderator einer Max-Hölting-Retrospektive. Die zwei Benefizkonzerte zum musikalischen Schaffen Höltings im Mai 2007 in Essen, bei denen Günter Brücher als Conférencier das Berliner Orchester I und den Bezirkschor Essen begleitete, fanden so großen Anklang, dass es im September vergangenen Jahres eine Neuauflage in Berlin gab. Aus seiner Feder stammen zahlreiche Chorstücke, darunter die im neuapostolischen Chorbuch enthaltenen Lieder "Wo ich auch geh' und stehe" und "In schweren, dunklen Stunden".

Schon vor der Gründung des Berliner Schulchores 1924 war Emanuel Gohle (1867 - 1937) in der Musikarbeit in den Gemeinden tätig. 1897 wurde er Mitglied der neuapostolischen Kirche. 1898 gründete er in seiner Gemeinde (Berlin III - Bremer Straße) einen Gesangschor. Zu dieser Zeit war der Liedschatz in der Kirche noch sehr beschränkt. Das regte Emanuel Gohle an, neue Lieder auch mit eigenen Textdichtungen zu komponieren. Stammapostel Krebs, der davon hörte, war darüber sehr erfreut. Er erteilte ihm den Auftrag, bei der Gründung von Chören der in rascher Folge entstehenden Gemeinden sowie auch beim Einüben der Lieder behilflich zu sein.

Rudolf Waschke (1926 - 1987) war ein neuapostolischer Komponist aus Berlin. Er gehörte wie Max Hölting, Günter Brücher oder Dieter Bock zu den Berliner neuapostolischen Komponisten, deren Lieder Eingang in die verschiedenen Notensammlungen fanden.

Auch ein Stück von Hermann Ober (1926 - 2006), dem jetzigen Namensgeber der Ensembles, wird vorgetragen. Hermann Ober soll nicht unerwähnt bleiben, war er doch viele Jahre mit dem Schallplattenchor in Berlin tätig.