Ein historischer Rückblick auf die Anfänge des Berliner Schulchores

Max Hölting ©

Die Anfänge des Berliner Schulchores

Bezirksapostel Martin Lax gefiel die unterschiedliche Singweise der Chöre nicht. Er wollte, dass die Dirigenten zu einer etwa gleichen Auslegung und somit zur einheitlichen Vortragsweise der Lieder geschult werden. Kurz hintereinander berief er zwei Dirigentenversammlungen ein, die im Februar und am 21. März 1924 in der Versammlungsstätte der Gemeinde Berlin IIa, Hagelberger Straße 49 (ehemalige Gemeinde Berlin-Südwest) nahe Yorckstraße stattfanden. Dabei prägte er erstmals den Begriff "Schulchor". Dieser sollte sich aus den begabtesten Sängerinnen und Sängern zusammensetzen, deren Zahl je nach Größe der Gemeinden bzw. der Chöre prozentual festgelegt wurde. Bezirksapostel Lax setzte den erblindeten Diakon Max Hölting aus der Gemeinde Berlin-Südost zum Hauptdirigenten aller Berliner Chöre ein und damit auch zum Leiter des neu zu gründenden "Berliner Schulchores". Weiterhin wurde festgelegt, dass der Schulchor etwa drei Wochen später (vermutlich am Montag, dem 14. oder 21. April) das erste Mal in der Gemeinde Berlin-Charlottenburg (Wilmersdorfer Straße) und dann alle 14 Tage in dieser Gemeinde zu Übungsstunden zusammenkommt. An der ersten Schulchorstunde nahmen rund 500 Sängerinnen und Sänger mit ihren Dirigenten aus dem Berliner S-Bahn-Bereich teil. Bezirksapostel Lax begrüßte die Anwesenden, erläuterte ihnen den Zweck des Zusammenseins und stellte ihnen den Schulchordirigenten vor.

Als erstes Lied übte der Schulchor: "O komm mit mir! Ich will dich leise führen in eines holden Gartens Zauberland" (GB 111). Die Art und Weise des Übens war für alle Sängerinnen und Sänger etwas völlig Neues und die Begeisterung groß. Bruder Hölting verstand es, sich das Vertrauen der Dirigenten, die sich willig unter seine Leitung stellten, zu erwerben. Er war geachtet von allen Sängern. Sein oberstes Bemühen war es, ihnen den Sinn und die Feinheiten des Liedes nach Melodie und Text nahezubringen, damit es "mit Seele" gesungen werden konnte. "Was aus der Seele kommt, kann allein wieder eine Seele erreichen und sie zum Klingen bringen", sagte er oft und machte damit die hohe Aufgabe des Chores für die Mitwirkung in den Gottesdiensten deutlich.
Der Schulchor hatte die Aufgabe, eine einheitliche, aber nicht schablonenhafte Singweise unserer Lieder in allen Chören zu erzielen. Die Dirigenten sollten das im Schulchor Erlernte in den Gemeindechören festigen. Das Singen "mit der Seele" und aus eigenen Empfindungen blieb dabei unangetastet; jedoch ist der Schulchor das gute Mittelmaß allen Singens bis heute geblieben.

Quelle: Sonderzeitschrift zu 75 Jahre Berliner Schulchor